Wirtepatent · Lernplan · Stand
Die meisten Kandidierenden lernen berufsbegleitend. Mit einem klaren Plan reichen etwa fünf Stunden pro Woche. Hier findest du einen Plan für acht Wochen und die Fehler, die in den Prüfungsfragen immer wieder vorkommen.
Bevor du startest
Kläre zuerst, welche Prüfung du ablegst und was sie umfasst. Ein Blick in das Reglement deines Kantons oder in die G1-Unterlagen ist die wichtigste Vorarbeit, weil Format und Themen sich unterscheiden (Kantone und G1 im Vergleich).
Setze dann ein Zeitfenster fest: zwei bis drei kurze Einheiten unter der Woche und eine längere am Wochenende. Regelmässigkeit schlägt Marathonlernen.
Der Plan für acht Wochen
| Woche | Schwerpunkt | Übung |
|---|---|---|
| 1 | Gastgewerbliches Recht (Patent, Bewilligung) | Fragen zu Pflichten des Patentinhabers, Gelegenheitswirtschaften |
| 2 | Lebensmittelrecht und Hygiene I | Selbstkontrolle, HACCP, Rückverfolgbarkeit |
| 3 | Lebensmittelrecht und Hygiene II | Allergene, Temperaturen, Kontrolle |
| 4 | Suchtprävention und Jugendschutz | Abgabe von Alkohol, Verhalten bei Betrunkenen |
| 5 | Arbeitsrecht und L-GAV | Arbeitsvertrag, Probezeit, Arbeits- und Ruhezeit |
| 6 | Vertragsrecht und Haftung | Gastaufnahmevertrag, Haftung, Rechtsformen |
| 7 | Rechnungswesen und Kalkulation | Faktor, Quote, MWST, Break-even |
| 8 | Gesamtrepetition und Probe | Gemischte Fragen unter Zeitdruck |
Wie du jede Einheit nutzt
- Zehn Minuten Theorie lesen, dann sofort Fragen dazu lösen.
- Falsche Antworten notieren und die Erklärung in eigenen Worten wiederholen.
- Nach zwei Tagen die falschen Fragen erneut beantworten.
- Am Wochenende eine gemischte Serie mit Zeitlimit lösen.
Typische Fehler im Recht
Viele Fragen testen, ob du bundesrechtliche und kantonale Regeln auseinanderhältst.
- Bund oder Kanton verwechseln: Beim Alkoholverkauf setzt das Bundesrecht eine Mindestgrenze, die Kantone dürfen strenger sein. Es gilt die Regel des Standortkantons, unabhängig vom Wohnort des Gastes.
- Gelegenheitswirtschaft mit Dauerbetrieb gleichsetzen: Für einzelne Anlässe gibt es meist eine besondere Bewilligung mit leichteren Voraussetzungen, aber auch Vereine brauchen in der Regel eine.
- Staatsangehörigkeit überschätzen: Das Bürgerrecht ist keine Voraussetzung, das Aufenthaltsrecht, das die Tätigkeit erlaubt, aber schon.
- Preise nicht anschreiben: Die Preisbekanntgabeverordnung verlangt, dass Gäste die Preise vor der Bestellung kennen.
Typische Fehler bei Alkohol und Hygiene
- Nüchterner Besteller als Ausrede: Getränke, die erkennbar für eine betrunkene Person bestimmt sind, dürfen nicht serviert werden. Der nüchterne Besteller ändert daran nichts.
- Allergenauskunft raten: Die Auskunft muss auf Rezeptur oder Produktangaben beruhen. Im Zweifel erst klären, dann antworten.
- Laktose nicht ernst nehmen: Milch einschliesslich Laktose ist auskunftspflichtig.
Typische Fehler beim Rechnen
- Faktor mit Quote verwechseln: Faktor 4 entspricht 25 Prozent.
- Rabatte als Ertrag buchen statt den Einstandspreis zu mindern.
- Bei zu hoher Quote den Faktor pauschal erhöhen, statt zuerst die Portionen zu kontrollieren.
- MWST auf den falschen Betrag rechnen. Details im Ratgeber Kalkulationsfaktor berechnen.
Die letzte Woche und der Prüfungstag
In der letzten Woche löst du gemischte Serien in der Prüfungszeit. Bei einer Prüfung wie in St. Gallen mit 90 Minuten Single Choice teilst du die Zeit pro Frage grob ein und lässt schwierige Fragen zunächst aus. Lies bei Single Choice immer alle vier Antworten. Oft sind zwei auf den ersten Blick plausibel, und nur eine passt zum Wortlaut der Frage.
Am Vortag nichts Neues lernen. Packe die erlaubten Hilfsmittel, einen Ausweis und die Anmeldebestätigung. Welche Hilfsmittel erlaubt sind, steht in der Einladung.
Wenn es nicht klappt
Bestehst du nicht, ist das kein Weltuntergang. Kantone mit Teil- oder Modulprüfungen, wie Aargau und Bern, erlauben oft, nur den nicht bestandenen Teil zu wiederholen. Frag bei der Behörde nach den Regeln und Fristen. Analysiere, in welchem Themenbereich du Punkte verloren hast, und wiederhole genau diesen. Siehe auch Hauptratgeber Wirtepatent.
Typische Fehler beim Lernen selbst
Führe eine Liste mit Fragen, die du falsch beantwortet hast. Nach vier Wochen hast du eine persönliche Fehlerliste, die du in der letzten Woche gezielt durchgehst.
- Nur lesen und nicht üben: Fragen zu lösen und Erklärungen nachzulesen bringt mehr als mehrmaliges Lesen derselben Seiten.
- Alles gleich gewichten: Wer in einem Bereich schon Praxis hat, kann dort schneller durchgehen und mehr Zeit für Schwächen einplanen.
- Zu spät mit Rechnen beginnen: Rechnen braucht Wiederholung über Wochen und lässt sich nicht in einer Nacht nachholen.
- Kantonale Unterschiede ignorieren: Wer für eine bestimmte kantonale Prüfung lernt, sollte die Regeln dieses Kantons kennen und nicht nur das Bundesrecht.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
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Häufige Fragen
Wie lange sollte ich lernen?
Mit etwa fünf Stunden pro Woche sind acht Wochen ein realistischer Rahmen. Wenn du schon im Gastgewerbe arbeitest, brauchst du eventuell weniger Zeit für Hygiene, dafür mehr für Recht und Rechnen.
Womit fange ich an?
Mit dem Recht deines Kantons, weil dort feste Regeln gelten, die du auswendig anwenden kannst. Rechnen übst du ab Woche 1 in kleinen Einheiten.
Wie gehe ich mit Single-Choice-Fragen um?
Alle vier Antworten lesen, offensichtlich falsche streichen und auf Wörter wie «immer», «nie» oder «nur» achten. Sie machen eine Aussage oft falsch.
Darf ich nach dem Nichtbestehen wiederholen?
Ja, die Regeln und Fristen legt der Prüfungsträger fest. Bei Teilprüfungen kannst du oft nur den nicht bestandenen Teil wiederholen.
Quellen und weiterführende Links
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