Berufsbildung · Überblick · Stand
Die Schweizer Berufsbildung kennt mehrere Abschlüsse, die sich nicht auf Anhieb unterscheiden lassen: EFZ, Fachausweis und eidgenössisches Diplom. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Berufsprüfung und höherer Fachprüfung, wie sie eingeordnet werden und welche Titel du führen darfst.

Die drei Abschlüsse im Überblick
Eine höhere Fachprüfung entspricht laut SBFI einem höheren Qualifikationsniveau als eine Berufsprüfung im selben Berufsfeld.
| Abschluss | Art | Typischer Zeitpunkt | Ziel |
|---|---|---|---|
| EFZ (eidg. Fähigkeitszeugnis) | Berufliche Grundbildung (Lehre) | Zu Beginn der Laufbahn | Berufsqualifikation |
| Eidg. Fachausweis | Berufsprüfung (BP) | Nach Grundbildung und Berufspraxis | Fachkompetenz vertiefen, Verantwortung übernehmen |
| Eidg. Diplom | Höhere Fachprüfung (HFP) | Nach weiterer Praxis, oft nach einer BP | Führung oder Expertise in einem Fachgebiet |
Berufsprüfung
Die Berufsprüfung führt zum eidgenössischen Fachausweis. Du kannst sie ablegen, wenn du eine berufliche Grundbildung (meist ein EFZ) oder eine gleichwertige Qualifikation und die geforderte Berufspraxis hast. Die Prüfungsträgerschaft legt die Voraussetzungen in der Prüfungsordnung fest.
Beispiele aus unseren Ratgebern sind die Berufsprüfungen Gastro-Betriebsleiter/in und Hauswart/in.
Höhere Fachprüfung
Die höhere Fachprüfung führt zum eidgenössischen Diplom. Sie richtet sich an Personen mit mehr Berufserfahrung, die ein Unternehmen führen oder als Expertin bzw. Experte in einem Gebiet arbeiten. Oft setzt sie einen Fachausweis oder einen gleichwertigen Abschluss voraus. Auch hier regelt die Prüfungsordnung die Zulassung im Einzelnen.
Was ist der Unterschied zu einem HF-Diplom?
Höhere Fachschulen (HF) führen zu einem Diplom HF. Dieser Weg läuft über eine Schule und wird von den Kantonen finanziert. Berufsprüfung und höhere Fachprüfung sind dagegen eidgenössische Prüfungen. Du bereitest dich in Kursen vor, die Prüfung selbst legst du bei der Prüfungsträgerschaft ab. Für die Vorbereitungskurse zahlt der Bund Beiträge (Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse), für HF-Ausbildungen nicht.
Die NQR-Stufe
Der Nationale Qualifikationsrahmen Berufsbildung (NQR) ordnet Abschlüsse acht Stufen zu. Nach dem Leitfaden des SBFI sind die Standardniveaus: EBA Stufe 3, EFZ Stufe 4, eidgenössischer Fachausweis Stufe 5 sowie eidgenössisches Diplom und Diplom HF Stufe 6.
Die Einstufung erfolgt aber einzeln pro Abschluss. Es steht nicht jeder Fachausweis auf derselben Stufe. Ein Abschluss, der im NQR eingestuft ist, erhält zusammen mit dem Fachausweis oder Diplom einen Diplomzusatz, der das Niveau des NQR und des Europäischen Qualifikationsrahmens ausweist. Die Einstufung deines Abschlusses findest du auf nqr-berufsbildung.ch.
Titel: Professional Bachelor und Professional Master
Mit dem Massnahmenpaket zur Stärkung der höheren Berufsbildung gelten seit dem 1. Oktober 2026 neue Titelzusätze. Inhaberinnen und Inhaber eines eidgenössischen Fachausweises (und eines Diploms HF) dürfen den Zusatz «Professional Bachelor» führen, Inhaberinnen und Inhaber eines eidgenössischen Diploms den Zusatz «Professional Master». Der Zusatz steht nach dem geschützten Titel, durch ein Komma getrennt, und darf nur zusammen mit ihm verwendet werden.
Das gilt auch für frühere Abschlüsse, es werden aber keine neuen Fachausweise und Diplome ausgestellt. Das SBFI stellt auf seiner Website ein kostenloses Begleitdokument bereit, das du dem Fachausweis beilegen kannst. Einen personalisierten Diplomzusatz mit Titelzusatz kannst du gegen eine Gebühr beantragen, sofern dein Abschluss im NQR eingestuft ist.
Der Zusatz ist eine englische Bezeichnung für den Abschluss. Er ändert nicht den Fachausweis oder das Diplom und ersetzt den eigentlichen Titel nicht.
Anerkennung und Nutzen
Welche Lohn- und Karrierewirkung ein Abschluss hat, hängt von Branche und Betrieb ab. Dazu geben wir keine Zusagen.
- Eidgenössische Abschlüsse sind in der ganzen Schweiz einheitlich geregelt und werden vom Bund beaufsichtigt.
- Der Fachausweis zeigt Arbeitgebern vertiefte Praxiskompetenz und öffnet den Weg in Fach- und Führungsfunktionen.
- Das Diplom steht für höhere Verantwortung oder Spezialisierung.
- Der Weg ist berufsbegleitend: Du arbeitest weiter und bereitest dich in Kursen vor.
Wie entscheidest du?
Für Beratung wende dich an die Berufsberatung deines Kantons (berufsberatung.ch) und an die Prüfungsträgerschaft.
- Du hast ein EFZ und mehrere Jahre Praxis: Die Berufsprüfung ist meist der nächste Schritt.
- Du hast schon einen Fachausweis und willst Verantwortung für Unternehmen oder Spezialgebiete: Prüfe die höhere Fachprüfung.
- Du willst eine schulische Ausbildung und Vollzeit studieren: Schau dir Höhere Fachschulen an.
Ablauf einer eidgenössischen Prüfung
Berufsprüfungen und höhere Fachprüfungen sind eidgenössisch geregelt, werden aber von Trägerschaften aus der Arbeitswelt organisiert. Die Trägerschaft erlässt eine Prüfungsordnung, die das SBFI genehmigt, und führt die Prüfung durch. Am Ende der Prüfung steht eine Verfügung, ob du bestanden hast, und bei Erfolg erhältst du den eidgenössischen Fachausweis oder das eidgenössische Diplom.
Gegen den Prüfungsentscheid oder eine Nichtzulassung kannst du Beschwerde einlegen. Erste Rekursinstanz ist das SBFI. Ein Merkblatt dazu stellt das SBFI bereit. Für verlorene Zeugnisse gibt es Duplikate gegen eine Gebühr.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Fachausweis und Diplom?
Der Fachausweis gehört zur Berufsprüfung, das eidgenössische Diplom zur höheren Fachprüfung. Die höhere Fachprüfung entspricht einem höheren Qualifikationsniveau.
Auf welcher NQR-Stufe liegt ein Fachausweis?
Standardmässig auf Stufe 5. Die Einstufung erfolgt pro Abschluss, prüfe sie auf nqr-berufsbildung.ch.
Darf ich «Professional Bachelor» führen?
Ja, wenn du einen eidgenössischen Fachausweis hast, seit dem 1. Oktober 2026 und auch für frühere Abschlüsse, aber nur zusammen mit dem geschützten Titel.
Brauche ich eine Berufsprüfung vor der höheren Fachprüfung?
Das regelt die jeweilige Prüfungsordnung. Oft sind ein Fachausweis oder gleichwertige Nachweise nötig.
Gibt es Bundesbeiträge für beide?
Ja, für Vorbereitungskurse auf Berufsprüfungen und höhere Fachprüfungen, mit unterschiedlichen Höchstbeträgen.
Quellen und weiterführende Links
- SBFI, Kandidierende und Absolvierende
- SBFI, FAQ Massnahmenpaket Höhere Berufsbildung: Absolventinnen und Absolventen
- SBFI, Diplomzusätze für Abschlüsse der höheren Berufsbildung
- SBFI, FAQ Nationaler Qualifikationsrahmen Berufsbildung
- SBFI, Der Nationale Qualifikationsrahmen NQR Berufsbildung
- SBFI, Eidgenössische Prüfungen
- berufsberatung.ch, Weiterbildung und Laufbahn
Weitere Ratgeber

Finanzierung · Bundesbeiträge · Start hier
Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse: bis zu CHF 9'500 zurück
Bundesbeiträge für Kurse auf eidgenössische Prüfungen: 50 Prozent zurück, max. CHF 9'500 bzw. 10'500. Voraussetzungen, Antrag im Portal, Beispiel.
WeiterlesenDetailhandel EFZ · Notenrechner · Rechnen und Praxisfälle
Detailhandel QV Notenrechner: Gesamtnote selbst berechnen
Detailhandel QV Notenrechner: So berechnest du VPA, Berufskenntnisse, Erfahrungsnote und Gesamtnote selbst, mit Beispiel, Fallnote und offiziellem Rechner.
Weiterlesen