Gastro-Betriebsleiter · Prüfung · Stand
Die Berufsprüfung Gastro-Betriebsleiter/in führt zum eidgenössischen Fachausweis und befähigt dich, einen gastgewerblichen Betrieb oder einen Teilbereich zu führen. Sie baut auf dem G1-Grundseminar von GastroSuisse auf. Hier erfährst du, wer zugelassen wird, wie Module und Abschlussprüfung aufgebaut sind und wie du dich vorbereitest.

Was ist die Berufsprüfung G2?
Die Berufsprüfung Gastro-Betriebsleiter/in schliesst mit dem eidgenössischen Fachausweis ab. Sie gehört zur höheren Berufsbildung. Das Verfahren steht unter der Aufsicht des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). GastroSuisse führt die Aufbaumodule und die Abschlussprüfung durch. Wer den Titel trägt, kann einen Betrieb oder einen Teilbereich leiten, also Personal führen, Finanzen steuern, Marketing betreiben und die rechtlichen Pflichten einhalten.
Wie sich Berufsprüfung, höhere Fachprüfung und EFZ unterscheiden, erklärt der Ratgeber Berufsprüfung oder höhere Fachprüfung.
Zulassung
Nach der Wegleitung von GastroSuisse (Stand 2016) wirst du zur Abschlussprüfung zugelassen, wenn du diese drei Bedingungen erfüllst:
- Du hast ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis, einen anderen Abschluss auf Sekundarstufe II oder einen gleichwertigen Ausweis.
- Du kannst zwei Jahre Führungserfahrung im Gastgewerbe nachweisen.
- Du hast die erforderlichen Modulabschlüsse (G1 und G2) oder Gleichwertigkeitsbestätigungen.
Zur Führungserfahrung zählt, wer einen Betrieb oder einen Teilbereich führt oder regelmässig Führungsaufgaben wahrnimmt. Die Wegleitung stammt von 2016. Prüfe die aktuelle Prüfungsordnung bei GastroSuisse. Mehr zu den Modulen im Ratgeber Module und Abschlussprüfung im Detail.
Prüfungsaufbau im Überblick
Der Weg führt über Modulprüfungen zur Abschlussprüfung. Die Module sind in Grund-, Aufbau- und Wahlpflichtmodule eingeteilt. Die Abschlussprüfung besteht nach der Wegleitung aus vier Teilen:
| Prüfungsteil | Art | Zeit | Gewichtung |
|---|---|---|---|
| Fallstudie | schriftlich | 180 Minuten | 4 |
| Fachgespräch | mündlich | 30 Minuten | 2 |
| Lernreflexionsdossier | schriftlich, während der Vorbereitung erstellt | ca. 60 Stunden laut Prüfungsordnung, ca. 100 Stunden laut Wegleitung | 1 |
| Prüfungsgespräch über die Lernreflexion | mündlich | 20 Minuten | 1 |
Notenberechnung
Die Leistungen werden mit Noten von 6 bis 1 bewertet. Die Note 4 und höhere sind genügend, Noten unter 4 ungenügend. Die Gewichtung der Prüfungsteile geht in die Gesamtnote ein. Ein Beispiel: Erreichst du in den vier Teilen 4.5, 5.0, 4.0 und 5.0, rechnest du (4.5 x 4 + 5.0 x 2 + 4.0 x 1 + 5.0 x 1) : 8 = 37 : 8 = 4.625, also gerundet 4.6. Wie genau gerundet wird und welche Mindestnoten pro Teil gelten, steht in der Prüfungsordnung.
Eine Einführung in das Notensystem findest du hier: Schweizer Notensystem bei Prüfungen.
Kosten und Bundesbeiträge
Die Kosten bestehen aus Kursgebühren der Anbieter, den Modul- und Prüfungsgebühren sowie Lehrmitteln. Die Kurse liegen je nach Anbieter bei mehreren tausend Franken. Aktuelle Preise findest du bei den Bildungsanbietern und bei GastroSuisse.
Für Kurse, die auf eine eidgenössische Prüfung vorbereiten, zahlt der Bund Beiträge. Der Satz beträgt 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren, höchstens CHF 9'500 bei einer Berufsprüfung. Du bekommst das Geld, nachdem du die Prüfung abgelegt hast, unabhängig vom Ergebnis. Der Kurs muss auf der Meldeliste des SBFI stehen. Alles dazu: Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse.
Termine und zuständige Stelle
Die Modulprüfungen der Grundmodule führen die Modulanbieter durch, die Aufbau- und Wahlpflichtmodule GastroSuisse, in der Regel mehrmals pro Jahr. Für die Abschlussprüfung sieht die Wegleitung vor, dass sie rund fünf Monate vorher ausgeschrieben wird, der Anmeldeschluss und die Abgabe des Lernreflexionsdossiers sechs Wochen davor liegen. Die aktuellen Daten stehen bei GastroSuisse.
Die Themenbereiche
In unserem Übungsbereich sind die Inhalte nach neun Themenbereichen gegliedert.
- Betriebsführung und Strategie
- Personalführung und HR
- Finanzen: Rechnungswesen, Kalkulation, Controlling
- Marketing, Verkauf, Gästebindung
- Recht
- Qualität, Hygiene, Arbeitssicherheit
- Wahlpflicht Gastronomie/Küche
- Wahlpflicht Systemgastronomie
- Wahlpflicht Bar/Club/Event
Die Wegleitung nennt als Wahlpflichtmodule Gastronomie, Hotellerie, Systemgastronomie und Eventmanagement. Welche Wahlmodule aktuell angeboten werden, klärst du beim Anbieter.
Lernplan neben dem Job
Die Vorbereitung dauert in der Regel mehrere Monate bis zwei Jahre, je nachdem, wie du die Module verteilst. Plane pro Modul eine Lernphase von vier bis sechs Wochen mit etwa fünf Stunden pro Woche zusätzlich zum Unterricht. Beginne mit den Finanzen, weil dort die Rechnungen am meisten Übung brauchen (Deckungsbeitrag und Break-even), und lerne das Arbeitsrecht im Zusammenhang mit der Personalführung (Arbeitsrecht im Gastgewerbe).
Einen konkreten Plan mit typischen Fehlern findest du im Ratgeber Lernplan und typische Fehler.
Für wen sich die Prüfung eignet
Die Berufsprüfung ist für Personen gedacht, die im Gastgewerbe Verantwortung tragen oder übernehmen wollen: Küchenchefs, Restaurationsleiterinnen, Hoteliers, Teamleiter und Selbständige. Sie bringt strukturiertes Führungs- und Betriebswissen und hilft, Entscheidungen mit Zahlen und Recht zu begründen.
Rechne ehrlich mit dem Aufwand. Neben den Modulen musst du das Lernreflexionsdossier erstellen, für das die Prüfungsordnung etwa 60 Stunden und die Wegleitung etwa 100 Stunden Arbeit nennt. Wer berufsbegleitend lernt, plant deshalb ein bis zwei Jahre ein. Sprich mit deinem Arbeitgeber über Freistellung für Kurstage und Prüfungen.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
Selbsttest
Beantworte die Fragen im Kopf und öffne dann die Lösung.
Aufgabe 1
Das Bistro «Tramhalte» in Bern senkt den Preis seines Mittagsmenüs durch eine befristete Aktion. Die variablen Kosten je Menü bleiben gleich. Wie verändert sich dadurch die Break-even-Menge, wenn die Fixkosten unverändert sind?
- Sie sinkt, weil durch den tieferen Preis automatisch mehr Menüs verkauft werden
- Sie bleibt gleich, weil die Fixkosten unverändert sind und nur sie den Break-even bestimmen
- Sie sinkt, weil die variablen Kosten im Verhältnis zum Preis stärker ins Gewicht fallen
- Sie steigt, weil jedes Menü einen kleineren Deckungsbeitrag zur Deckung der Fixkosten liefert
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Richtig: D. Die Break-even-Menge ergibt sich aus den Fixkosten geteilt durch den Deckungsbeitrag je Einheit. Sinkt der Preis bei gleichen variablen Kosten, schrumpft der Deckungsbeitrag, und es braucht mehr verkaufte Menüs.
Aufgabe 2
Die Pächterin Laura Meier mietet für ihr Restaurant Geschäftsräume in Wil und will den unbefristeten Mietvertrag kündigen. Welche gesetzliche Kündigungsfrist gilt bei der Miete von Geschäftsräumen?
- Drei Monate auf Ende eines beliebigen Monats, wie bei der Miete von Wohnräumen
- Zwei Monate auf Ende eines Monats, weil Gewerberäume als bewegliche Sachen gelten
- Sechs Monate auf einen ortsüblichen Termin
- Vierzehn Tage auf jeden Termin, weil im Gastgewerbe der L-GAV eine Verkürzung anordnet
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Richtig: C. Für Geschäftsräume beträgt die gesetzliche Kündigungsfrist bei unbefristeten Mietverträgen sechs Monate auf einen ortsüblichen Termin (Art. 266d OR). Vertraglich sind abweichende Fristen möglich.
Aufgabe 3
Der frisch eingestellte Commis Jonas Egger ist hoch motiviert, hat aber kaum Fachkenntnisse in der warmen Küche. Welchen Führungsstil empfiehlt das situative Führungsmodell nach Hersey/Blanchard für diese Entwicklungsstufe?
- Delegieren: Aufgabe vollständig übergeben, weil Motivation für den Erfolg wichtiger ist als Fachwissen.
- Beteiligen: Entscheidungen gemeinsam fällen, weil Jonas bereits Fachwissen mitbringt, aber Selbstvertrauen braucht.
- Unterweisen: klare Anweisungen geben und eng anleiten, weil Fachkompetenz fehlt, die Motivation aber hoch ist.
- Überzeugen: Entscheide erklären und Fragen zulassen, weil Jonas beides, Können und Wollen, nur teilweise mitbringt.
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Richtig: C. Beim situativen Führen richtet sich der Stil nach dem Entwicklungsstand der Mitarbeitenden. Wer motiviert, aber fachlich unerfahren ist, braucht klare Anweisungen und enge Anleitung.
Beispielfragen aus dem Gratis-Test
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Frage 1
Ein Gastronom formuliert das Ziel: «Wir wollen langfristig gesunde Gewinne erzielen.» Um welche Zielart handelt es sich?
- Um ein Sachziel, weil es das Leistungsprogramm des Betriebs beschreibt.
- Um ein Formalziel, weil es wirtschaftlichen Erfolg wie Gewinn oder Rentabilität ausdrückt.
- Um ein Sozialziel, weil es die Interessen der Mitarbeitenden betrifft.
- Um ein Ökologieziel, weil es die Umwelt im Betrieb betrifft.
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Richtig: B. Formalziele drücken den wirtschaftlichen Erfolg aus, etwa Gewinn, Rentabilität oder Liquidität. Sachziele legen Leistungsprogramm und Märkte fest. Beide Zielarten müssen aufeinander abgestimmt werden.
Frage 2
In der Küche des Landgasthofs «Linde» arbeitet Kevin Roth von 08:00 bis 17:30 Uhr (9.5 Stunden). Wie lange muss die Pause mindestens insgesamt dauern, die das Arbeitsgesetz vorschreibt?
- Eine Viertelstunde, weil die Pause erst ab einer Tagesarbeitszeit von mehr als elf Stunden verlängert wird.
- Eine halbe Stunde, weil das Gesetz diese Dauer unabhängig von der Länge der Arbeitszeit vorgibt.
- Eine Stunde, weil bei mehr als neun Stunden Tagesarbeitszeit die Mindestpause eine Stunde beträgt.
- Anderthalb Stunden, weil bei geteilter Schicht im Gastgewerbe immer die doppelte Pause gilt.
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: C. Das Arbeitsgesetz verlangt Pausen von mindestens einer Viertelstunde bei mehr als 5.5 Stunden, einer halben Stunde bei mehr als sieben Stunden und einer Stunde bei mehr als neun Stunden Tagesarbeitszeit. Bei 9.5 Stunden ist somit eine Stunde fällig. Die Pausen können aufgeteilt werden.
Frage 3
Welche Aussage über Eigen- und Fremdkapital trifft zu?
- Eigenkapital sind alle Geldmittel auf dem Bankkonto, Fremdkapital sind alle Waren im Lager des Betriebs
- Eigenkapital haben die Inhaberin oder Gesellschafter eingebracht, Fremdkapital wird von Dritten geliehen und muss zurückbezahlt werden
- Eigenkapital muss verzinst und zurückbezahlt werden, Fremdkapital haftet dagegen nie für Verluste
- Eigenkapital entsteht ausschliesslich durch Bankkredite, Fremdkapital durch den Gewinn der Vorjahre
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Richtig: B. Das Kapital auf der Passivseite der Bilanz zeigt, woher die Mittel stammen. Eigenkapital stammt von den Eigentümern, trägt das Verlustrisiko zuerst und ist nicht rückzahlbar. Fremdkapital ist geliehen, verursacht Zins und muss gemäss Vertrag zurückbezahlt werden.
Frage 4
Ein Hotel garni in Luzern erhöht die Zimmerpreise während eines Festivals und senkt sie in der Nebensaison gezielt. Welches Ziel steht dahinter primär?
- Eine möglichst konstante Auslastung zu erreichen, unabhängig vom erzielten Preis
- Den Ertrag aus der begrenzten und nicht lagerbaren Zimmerkapazität zu maximieren
- Die Fixkosten schon in der Nebensaison vollständig durch tiefe Preise zu decken
- Allen Gästen über das Jahr hinweg einen einheitlichen Preis zu garantieren
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Beim Yield Management werden Preise nach Nachfrage gesteuert, um den Ertrag aus einer begrenzten, nicht lagerbaren Kapazität zu maximieren. Ein leeres Zimmer lässt sich nicht nachverkaufen.
Frage 5
Die Eventküche «Gourmet Pur» liefert ein Buffet an einen Firmenanlass. Das beauftragte Subunternehmen transportiert die Speisen ungekühlt, die Gäste erkranken. Die Veranstalterin verlangt Schadenersatz vom Cateringbetrieb. Worauf stützt sie ihren Anspruch im Vertragsverhältnis?
- Auf Art. 58 OR, weil die Küche als Werk gilt und deren Eigentümer für alle Schäden aus dem Betrieb haftet
- Auf Art. 41 OR allein, weil nur der Subunternehmer unmittelbar schuldhaft gehandelt hat und deshalb nur er haftet
- Auf Art. 101 OR: Der Cateringbetrieb haftet für das Verhalten der von ihm beigezogenen Hilfsperson wie für sein eigenes
- Auf keine Norm, weil die Verantwortung mit der Weitergabe der Arbeit an das Subunternehmen vollständig auf dieses übergeht
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: C. Wer die Erfüllung einer Vertragspflicht Hilfspersonen überträgt, haftet nach Art. 101 OR für deren Verhalten wie für sein eigenes. Der Cateringbetrieb bleibt gegenüber der Veranstalterin verantwortlich und kann allenfalls auf den Subunternehmer zurückgreifen. Eine Haftungsübertragung auf den Dritten gegenüber dem Vertragspartner gibt es nicht.
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Häufige Fragen
Wer ist für G2 zugelassen?
Nach der Wegleitung von GastroSuisse braucht es einen Abschluss auf Sekundarstufe II oder gleichwertig, zwei Jahre Führungserfahrung im Gastgewerbe und die erforderlichen Modulabschlüsse. Prüfe die aktuelle Prüfungsordnung.
Wie lange gelten die Modulausweise?
Nach der Wegleitung von 2016 sind die Ausweise der Grundmodule G1 sieben Jahre gültig, jene der Aufbau- und Wahlpflichtmodule G2 vier Jahre. Bestätige das in der aktuellen Version.
Wie viel zahlt der Bund?
Der Bund erstattet 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren, bei einer Berufsprüfung höchstens CHF 9'500. Voraussetzung ist unter anderem, dass du die Prüfung ablegst und der Kurs auf der Meldeliste steht.
Ist die Abschlussprüfung schriftlich und mündlich?
Ja. Die Wegleitung nennt eine schriftliche Fallstudie, ein mündliches Fachgespräch, ein Lernreflexionsdossier und ein Prüfungsgespräch über die Lernreflexion.
Ist G1 Pflicht?
Ja, die Grundmodule gehören zu den erforderlichen Modulabschlüssen. Alternativ kann eine Gleichwertigkeit bestätigt werden.
Quellen und weiterführende Links
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