Technische Kaufleute · Supply Chain · Stand
Im Supply Chain Management musst du Bestände steuern: Wann bestellst du nach, wie viel Reserve brauchst du, und wie effizient ist dein Lager? Dafür gibt es wenige Formeln, die du sicher beherrschen solltest. Hier siehst du sie mit einem durchgerechneten Beispiel.

Warum Bestände gesteuert werden
Ein zu tiefer Bestand führt zu Lieferausfällen und Stillstand. Ein zu hoher Bestand bindet Kapital und verursacht Lagerkosten. Die Aufgabe der Disposition ist es, die Verfügbarkeit zu sichern und gleichzeitig wenig Kapital zu binden.
Das Thema gehört zum Bereich E der Prüfung. Es erscheint im Fachwissen als Rechen- und Verständnisfrage und in den Fallstudien als Teil einer grösseren Analyse.
Die wichtigsten Begriffe
- Lead Time (Lieferzeit, Wiederbeschaffungszeit): Zeitspanne zwischen Bestellauslösung und Wareneingang.
- Sicherheitsbestand: zusätzliche Reserve, die Schwankungen im Verbrauch oder bei der Lieferzeit abfedert.
- Meldebestand (Bestellpunkt): Bestand, bei dem du nachbestellst.
- Lagerumschlag: wie oft sich der durchschnittliche Lagerbestand im Jahr umschlägt.
- Lagerdauer: durchschnittliche Zeit, die ein Artikel im Lager liegt.
Formeln
| Kennzahl | Formel |
|---|---|
| Tagesverbrauch | Jahresverbrauch ÷ Arbeitstage |
| Meldebestand | Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit (Tage) + Sicherheitsbestand |
| Durchschnittlicher Lagerbestand | (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2 |
| Lagerumschlag | Wareneinsatz (Verbrauch) ÷ durchschnittlicher Lagerbestand |
| Durchschnittliche Lagerdauer | 360 (oder 365) Tage ÷ Lagerumschlag |
Rechenbeispiel Meldebestand
Die Weber Hydraulik AG verbraucht jährlich 7'200 Dichtungen. Sie arbeitet 240 Tage im Jahr. Die Lieferung dauert zehn Arbeitstage. Der Sicherheitsbestand beträgt 90 Stück.
- Tagesverbrauch: 7'200 ÷ 240 = 30 Stück
- Verbrauch während der Lieferzeit: 30 × 10 = 300 Stück
- Meldebestand: 300 + 90 = 390 Stück
- Probe: Sinkt der Bestand auf 390, reichen 300 Stück bis zur Lieferung. Es bleibt der Sicherheitsbestand von 90 Stück.
Wenn der Lieferant länger braucht, etwa 13 statt 10 Tage, werden 90 Stück Reserve aufgebraucht. Genau dafür ist der Sicherheitsbestand da.
Rechenbeispiel Lagerumschlag
Die Firma hat einen Wareneinsatz von CHF 1'200'000. Der Lagerbestand betrug zu Jahresbeginn CHF 200'000 und am Jahresende CHF 250'000.
- Durchschnittlicher Lagerbestand: (200'000 + 250'000) ÷ 2 = CHF 225'000
- Lagerumschlag: 1'200'000 ÷ 225'000 = 5,33
- Lagerdauer: 360 ÷ 5,33 = rund 67,5 Tage
Eine hohe Umschlagshäufigkeit zeigt, dass das Lager effizient genutzt wird und wenig Kapital gebunden ist. Sie sagt aber nichts über die Qualität aus. Ob du mit 360 oder 365 Tagen rechnest, steht in der Aufgabe.
ABC-Analyse
Die ABC-Analyse teilt Artikel nach ihrem Wertanteil am Gesamtverbrauch in Klassen ein. A-Teile sind wenige Artikel mit hohem Wertanteil. B-Teile liegen in der Mitte. C-Teile sind viele Artikel mit kleinem Wertanteil. Als Faustregel machen wenige A-Artikel den grössten Teil des Werts aus. Die genauen Prozentsätze sind Konvention und können je nach Betrieb variieren.
Die Steuerung richtet sich nach der Klasse: A-Teile werden eng überwacht und genau disponiert. Bei C-Teilen sind einfache Verfahren sinnvoll, zum Beispiel grössere Bestellmengen, weil der Aufwand sonst höher ist als der Nutzen.
Bedarfsermittlung und Beschaffungsrisiko
Zum Bereich gehören auch Lieferketten, die nachvollziehbar und nachhaltig aufgebaut sind. Gemeint ist, dass du weisst, woher Material kommt, welche Lieferanten beteiligt sind und welche Risiken bestehen. Dazu zählen Transparenz über Vorlieferanten, Kriterien für die Lieferantenauswahl und Entsorgungs- und Distributionslogistik.
In Fallstudien wird oft verlangt, ein Beschaffungsrisiko zu beurteilen. Gehe dann systematisch vor: Welches Material ist kritisch, wie lange dauert der Ersatz, gibt es Alternativen, und welche Massnahme senkt das Risiko am wirksamsten? Mehr Lagerbestand ist nur eine von mehreren Antworten und bindet Kapital.
- Programmgebundene Bedarfsermittlung: Der Bedarf wird aus Stücklisten und dem Produktionsprogramm abgeleitet.
- Verbrauchsgebundene Bedarfsermittlung: Der Bedarf wird aus Verbrauchswerten der Vergangenheit hochgerechnet, zum Beispiel mit dem gleitenden Durchschnitt.
- Single Sourcing: Bezug eines Artikels von nur einem Lieferanten. Das spart Aufwand, erhöht aber das Ausfallrisiko.
- Dual oder Multiple Sourcing: mehrere Lieferanten reduzieren die Abhängigkeit.
- Bullwhip-Effekt: Kleine Schwankungen der Nachfrage verstärken sich auf dem Weg durch die Lieferkette.
Zur Beurteilung eines Lieferanten gehört neben Preis und Qualität auch dessen finanzielle Stabilität.
Typische Fehler
Rechenfehler passieren meist nicht bei der Formel, sondern bei den Einheiten. Prüfe vor dem Rechnen, ob Tage, Arbeitstage oder Wochen gemeint sind und ob Stückzahlen oder Franken verlangt werden. Schreibe jeden Schritt mit Einheit auf. So findest du Fehler schneller und erhältst bei offenen Aufgaben Teilpunkte für den Lösungsweg.
- Den Sicherheitsbestand vergessen und nur den Verbrauch während der Lieferzeit rechnen
- Jahresverbrauch durch 365 teilen, obwohl die Aufgabe Arbeitstage nennt
- Den Endbestand statt des Durchschnittsbestands in den Lagerumschlag einsetzen
- Die A-Teile mit den teuersten Einzelstücken verwechseln: Entscheidend ist der Wertanteil am Verbrauch
Zur Prüfung als Ganzes: Technische Kaufleute: Prüfung, Zulassung, Kosten.
Optimale Bestellmenge
Je grösser die Bestellmenge, desto weniger Bestellungen brauchst du, aber desto mehr Ware liegt im Lager. Die klassische Formel von Andler sucht die Menge, bei der Bestell- und Lagerkosten zusammen am tiefsten sind.
Formel: optimale Bestellmenge = Wurzel aus (2 × Jahresbedarf × Bestellkosten pro Bestellung ÷ (Einstandspreis × Lagerkostensatz)).
- Jahresbedarf: 7'200 Stück
- Bestellkosten: CHF 60 pro Bestellung
- Einstandspreis: CHF 5 pro Stück
- Lagerkostensatz: 20 % des Einstandspreises, also CHF 1 pro Stück und Jahr
- Rechnung: 2 × 7'200 × 60 = 864'000, geteilt durch 1 ergibt 864'000, Wurzel daraus ist rund 930 Stück
Die Formel setzt konstanten Verbrauch voraus und ist eine Vereinfachung. Ob sie in deiner Prüfung verlangt wird, hängt von der Aufgabenstellung ab. Das Verständnis des Zielkonflikts zwischen Bestell- und Lagerkosten ist wichtiger als das Auswendiglernen der Wurzel.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Meldebestand und Sicherheitsbestand?
Der Sicherheitsbestand ist eine Reserve. Der Meldebestand ist der Bestand, bei dem du bestellst, und enthält den Verbrauch während der Lieferzeit plus den Sicherheitsbestand.
Welche Tage gelten für die Lagerdauer?
Üblich sind 360 oder 365. Verwende, was die Aufgabe vorgibt.
Warum ist eine tiefe Umschlagshäufigkeit ein Problem?
Dann ist viel Kapital im Lager gebunden und die Lagerkosten steigen.
Wo übe ich solche Aufgaben?
Im Trainer unter Supply Chain Management mit 215 Fragen.
Quellen und weiterführende Links
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