Fachmann/-frau Finanz- und Rechnungs­wesen mit eidg. Fachausweis: Prüfung, Zulassung, Kosten

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Finanz- und Rechnungswesen · Prüfung · Stand

Der eidgenössische Fachausweis im Finanz- und Rechnungswesen gilt als solide Grundlage für Buchhaltung, Abschluss, Steuern und Controlling. Die Prüfung ist rein schriftlich und rechenintensiv. Dieser Ratgeber erklärt Aufbau, Gewichtung, Kosten und eine realistische Vorbereitung neben dem Beruf.

Buchhalter arbeitet an seinem Büroplatz mit Taschenrechner und Unterlagen

Was ist der Fachausweis und wer braucht ihn?

Der Fachausweis ist ein eidgenössisch anerkannter Abschluss der höheren Berufsbildung. Er richtet sich an Personen, die in der Buchhaltung eines KMU, in einer Treuhandfirma oder in der Finanzabteilung arbeiten und mehr Verantwortung übernehmen wollen, etwa als Leiterin Rechnungswesen oder Controller.

Der Titel ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, wird aber bei Stellen im Rechnungswesen häufig erwartet. Träger ist der Verein für die höheren Prüfungen in Rechnungswesen und Controlling (Kaufmännischer Verband und SwissAccounting), das Prüfungssekretariat führt examen.ch.

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Fragen mit Lösungen

Zulassung

Laut Prüfungsordnung 2023 brauchst du ein EFZ, eine Matura, einen Fachmittelschulausweis, ein anerkanntes Sachbearbeiter-Diplom Rechnungswesen oder einen höheren Abschluss sowie drei Jahre Fachpraxis in Rechnungswesen, Treuhand oder Steuern. Ohne einen dieser Ausweise ist die doppelte Praxis nötig. Stichtag ist der Prüfungsbeginn.

Zusätzlich verlangt werden ein anerkanntes Informatik-Diplom (zum Beispiel SIZ PU41 oder Microsoft Excel Expert), nicht älter als fünf Jahre, und die Online-Module im Bereich Führung. Prüfe die Details auf examen.ch.

Aufbau der Prüfung

Nach der Prüfungsordnung 2023 und der Wegleitung ab 2027 ist die Prüfung rein schriftlich, besteht aus geleiteten Fallarbeiten und dauert insgesamt 14 Stunden, verteilt auf zwei bis drei Tage. Eine mündliche Prüfung gibt es nicht.

Prüfungsteile laut Prüfungsordnung 2023
PrüfungsteilDauerGewicht
Rechnungswesen8 Stunden3-fach
Löhne und Versicherungen3 Stunden1-fach
Steuern3 Stunden1-fach

Die Prüfung findet einmal jährlich statt, 2027 vom 6. bis 8. April in Winterthur (Anmeldung lief bis 31. Juli 2026). Details: Prüfungsteile und Gewichtung.

Noten und Bestehen

Es gilt das Schweizer Notensystem von 1 bis 6, wobei 4 genügend ist. Bestanden ist die Prüfung, wenn das gewichtete Mittel der drei Teile mindestens 4.0 beträgt (Ziff. 6.41 PO). Eine Mindestnote pro Teil gibt es nicht. Wer nicht besteht, wiederholt die Teile mit einer Note unter 5.0, höchstens zweimal. Zur Orientierung: Das Schweizer Notensystem bei Prüfungen.

Kosten

Die Prüfungsgebühr 2027 beträgt laut examen.ch CHF 2'000. Kursanbieter nennen unterschiedliche Preise, deshalb lohnt der Vergleich mehrerer Anbieter. Plane auch Material, Taschenrechner und Prüfungsferien ein.

Bundesbeitrag

Nach dem Ablegen der Prüfung erstattet der Bund 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren, höchstens CHF 9'500 für eine Berufsprüfung. Der Beitrag wird unabhängig vom Prüfungsergebnis ausbezahlt. Aktuelle Regeln beim SBFI. Mehr in Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse.

Themen der Prüfung

  • Finanzbuchhaltung: Grundlagen und Abschluss
  • Finanzbuchhaltung: seltene Fälle (Leasing, Wertschriften, Fremdwährung, Kapitalveränderungen)
  • Rechnungslegung, Swiss GAAP FER, OR 957 ff.
  • Konzernrechnung und Konsolidierung
  • Betriebsbuchhaltung und Controlling
  • Mehrwertsteuer
  • Direkte Steuern
  • Löhne und Sozialversicherungen
  • Rechtliche Grundlagen, etwa SchKG (innerhalb der Fallarbeiten)

Konzernrechnung und Swiss GAAP FER gehören laut Wegleitung zum Teil Rechnungswesen (Handlungskompetenzbereich E). Einen eigenen Prüfungsteil Recht gibt es nicht. Zwei Fachthemen: MWST und Vorsteuer und Abschreibungen und Rückstellungen.

So bereitest du dich neben dem Beruf vor

Weil die Prüfung rechenlastig ist, brauchst du viel Übung mit Buchungssätzen und Berechnungen. Plane sechs bis zwölf Wochen pro grösserem Block und übe regelmässig statt in langen Blöcken. Der Plan: Lernplan und typische Fehler. Berufsprüfung oder höhere Fachprüfung? Siehe Vergleich.

Wichtig zu wissen

Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.

Selbsttest

Beantworte die Fragen im Kopf und öffne dann die Lösung.

Aufgabe 1

Worin unterscheidet sich eine Rückstellung von einer gewöhnlichen Verbindlichkeit?

  1. Rückstellung: Höhe oder Fälligkeit ungewiss; Verbindlichkeit: beides steht fest.
  2. Die Rückstellung wird auf der Aktivseite geführt, die Verbindlichkeit auf der Passivseite.
  3. Die Rückstellung betrifft nur Verpflichtungen gegenüber dem Staat, die Verbindlichkeit solche gegenüber Lieferanten.
  4. Die Rückstellung wird nur gebildet, wenn sie in der Steuererklärung geltend gemacht werden soll.
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Richtig: A. Rückstellungen sind Verbindlichkeiten mit ungewisser Höhe oder Fälligkeit (Art. 960e OR).

Aufgabe 2

Die Lüthi Autohandel AG verkauft einen Occasionswagen, den sie von einer Privatperson ohne Steuerausweis erworben hat. Sie wendet die Margenbesteuerung an. Worauf wird die Steuer berechnet?

  1. Auf dem vollen Verkaufspreis, wobei der Einkaufspreis als Vorsteuer ohne Beleg abgezogen wird
  2. Auf dem Einkaufspreis des Fahrzeugs, weil die Steuer die Anschaffung nachträglich verteuert
  3. Auf der Marge, jedoch mit offenem Steuerausweis, damit der Käufer die Steuer als Vorsteuer abziehen kann
  4. Auf der Marge, also der Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis, ohne offenen Steuerausweis
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Richtig: D. Bei der Margenbesteuerung ist die Marge die Bemessungsgrundlage. Die Steuer darf nicht offen ausgewiesen werden und der Käufer kann keine Vorsteuer abziehen.

Aufgabe 3

Ein Mitarbeiter der Gipserei Näf AG verunfallt an einem Montag und ist arbeitsunfähig. Ab wann zahlt die Unfallversicherung nach UVG ein Taggeld?

  1. Ab dem Unfalltag selbst, weil die Versicherung mit dem Ereignis zu leisten beginnt
  2. Ab dem dritten Tag nach dem Unfalltag, also ab Donnerstag; für die Zwischenzeit schuldet der Arbeitgeber nach Gesetz den Lohn
  3. Ab dem Montag nach dem Unfall, weil Taggelder nur in ganzen Wochen ausbezahlt werden
  4. Ab dem dreissigsten Tag, weil kürzere Absenzen unter die Lohnfortzahlungspflicht fallen
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Richtig: B. Der Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag (Art. 16 UVG) und beträgt 80 % des versicherten Verdienstes (Art. 17 UVG).

Beispielfragen aus dem Gratis-Test

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Frage 1

Worin unterscheidet sich eine Rückstellung von einer gewöhnlichen Verbindlichkeit?

  1. Rückstellung: Höhe oder Fälligkeit ungewiss; Verbindlichkeit: beides steht fest.
  2. Die Rückstellung wird auf der Aktivseite geführt, die Verbindlichkeit auf der Passivseite.
  3. Die Rückstellung betrifft nur Verpflichtungen gegenüber dem Staat, die Verbindlichkeit solche gegenüber Lieferanten.
  4. Die Rückstellung wird nur gebildet, wenn sie in der Steuererklärung geltend gemacht werden soll.
Lösung und Erklärung anzeigen

Richtig: A. Rückstellungen sind Verbindlichkeiten mit ungewisser Höhe oder Fälligkeit (OR Art. 960e).

Frage 2

Die Digital Gerber AG erhöht das Aktienkapital durch Ausgabe neuer Aktien mit Nennwert CHF 100 zu einem Ausgabepreis von CHF 140. Wie wird der Betrag über dem Nennwert verbucht?

  1. Als Agio in der Kapitalreserve (Kapitaleinlagen), nicht als Ertrag der Erfolgsrechnung.
  2. Als ausserordentlicher Ertrag in der Erfolgsrechnung, weil der Gesellschaft zusätzliche Mittel zufliessen.
  3. Als zusätzliches Aktienkapital, das im Handelsregister mit dem vollen Ausgabepreis eingetragen wird.
  4. Als Fremdkapital in Form einer Verbindlichkeit gegenüber den Aktionären, bis zur nächsten Generalversammlung.
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Richtig: A. Das Aktienkapital wird zum Nennwert eingetragen. Der Aufpreis ist Agio und wird als Kapitaleinlagereserve im Eigenkapital erfasst.

Frage 3

Welche Organisation gibt die Fachempfehlungen zur Rechnungslegung Swiss GAAP FER heraus?

  1. Die Eidgenössische Steuerverwaltung als Aufsicht über die Gewinnermittlung
  2. Die Stiftung für Fachempfehlungen zur Rechnungslegung (Swiss GAAP FER)
  3. Die Schweizerische Nationalbank als Hüterin der Währungsstabilität
  4. Das Handelsregisteramt des Kantons Zürich als zentrale Registerbehörde
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Richtig: B. Swiss GAAP FER wird von der Stiftung für Fachempfehlungen zur Rechnungslegung (FER) herausgegeben.

Frage 4

Wo werden die Anteile fremder Aktionäre an einer vollkonsolidierten Tochter in der Konzernbilanz ausgewiesen?

  1. Als Minderheitsanteile separat innerhalb des Konzerneigenkapitals
  2. Als langfristige Finanzverbindlichkeit unter dem Fremdkapital des Konzerns
  3. Als Beteiligung unter den Finanzanlagen auf der Aktivseite der Konzernbilanz
  4. Gar nicht, weil Anteile Dritter im Konzern nur im Anhang erwähnt werden
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Richtig: A. Bei der Vollkonsolidierung werden Aktiven und Passiven zu 100 % übernommen. Der Teil des Eigenkapitals, der Dritten gehört, wird separat als Minderheitsanteil im Eigenkapital gezeigt.

Frage 5

Die Lagerhaus Moser GmbH prüft ihre Kostenarten. Welche der folgenden Positionen ist bei einem Kundenauftrag für eine Schreinerei typischerweise ein Gemeinkostenbestandteil?

  1. Der Lohn des Schreiners für die auf dem Auftragszettel erfassten Arbeitsstunden
  2. Die Spezialbeschläge, die der Kunde ausdrücklich bestellt hat und separat verrechnet werden
  3. Das Furnierholz, das ausschliesslich für den einen Kundenauftrag eingekauft wurde
  4. Die Stromkosten der Werkstatthalle, die sich nicht auf einzelne Aufträge messen lassen
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Richtig: D. Einzelkosten lassen sich dem Kostenträger direkt zurechnen, Gemeinkosten nicht. Die Hallenbeleuchtung nutzen alle Aufträge gemeinsam, deshalb wird sie über Zuschläge verteilt.

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Häufige Fragen

Wie lange dauert die Prüfung?

Insgesamt 14 Stunden schriftlich, verteilt auf zwei bis drei Tage.

Gibt es eine mündliche Prüfung?

Nein, die Prüfung ist rein schriftlich.

Was zählt am meisten?

Rechnungswesen zählt dreifach (8 Stunden), Löhne und Versicherungen sowie Steuern zählen je einfach.

Brauche ich einen Vorbereitungskurs?

Das ist nicht vorgeschrieben. Für den Bundesbeitrag braucht es einen besuchten Kurs mit Rechnung.

Welche Note ist genügend?

Die Note 4 auf der Skala von 1 bis 6.

Quellen und weiterführende Links

Weiter mitFinanz- und Rechnungswesen: Prüfungsteile, Gewichtung und Fallarbeiten

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