Informatiker/in EFZ · Fachrichtungen · Stand
Die Informatiker EFZ Fachrichtungen heissen seit Lehrbeginn 2021 Applikationsentwicklung und Plattformentwicklung. Die Fachrichtung wird vor Lehrbeginn im Lehrvertrag festgehalten und bestimmt, was du in der zweiten Hälfte der Lehre vertiefst. Hier siehst du die Unterschiede, die gemeinsamen Grundlagen und was aus den früheren Richtungen Systemtechnik und Betriebsinformatik geworden ist.
Zwei Fachrichtungen, ein EFZ
Die Verordnung des SBFI über die berufliche Grundbildung Informatikerin/Informatiker EFZ vom 19. November 2020 kennt zwei Fachrichtungen: Plattformentwicklung und Applikationsentwicklung (Art. 1 Abs. 2). Beide führen zum selben Titel Informatikerin EFZ oder Informatiker EFZ. Die Fachrichtung wird vor Beginn der Lehre im Lehrvertrag festgehalten (Art. 1 Abs. 3).
Für alle Lernenden gleich sind drei Handlungskompetenzbereiche: Begleiten von ICT-Projekten, Unterstützen und Beraten im ICT-Umfeld sowie Aufbauen und Pflegen von digitalen Daten. Danach trennen sich die Wege (Art. 4).
Applikationsentwicklung
Laut Verordnung realisieren Informatikerinnen und Informatiker der Fachrichtung Applikationsentwicklung Softwarelösungen für Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen in unterschiedlichsten Branchen. Sie sind dafür verantwortlich, dass Kundenanforderungen in funktionierende technische Lösungen umgesetzt werden.
- Anforderungen an Applikationen und Schnittstellen analysieren und dokumentieren
- Gestaltungsentwürfe für Benutzerschnittstellen auf Machbarkeit prüfen
- Umsetzungsvarianten entwerfen und Lösungen konzipieren
- Applikationen und Schnittstellen implementieren und dabei Sicherheitsanforderungen erfüllen
- Qualität und Sicherheit prüfen
- Applikationen ausliefern, überwachen und Probleme im Betrieb beheben
Plattformentwicklung
Die Fachrichtung Plattformentwicklung ist laut Verordnung für Aufbau, Betrieb und Überwachung von Netzen, Diensten und Serversystemen zuständig. Sie stellt die Funktions- und Leistungsfähigkeit der ICT-Infrastruktur von Unternehmen oder Privatkunden sicher.
- ICT-Prozesse standardisieren und automatisieren, Lösungen in Betrieb nehmen
- Netze planen, Komponenten auswählen, warten, absichern und überwachen
- Serversysteme und Serverdienste planen, in Betrieb nehmen und verwalten
- Verfügbarkeit planen sowie Backup- und Archivierungskonzepte umsetzen
Für die Netzwerkpraxis ist Subnetting ein Grundwerkzeug. Eine Anleitung findest du in Subnetting und IP-Adressen berechnen.
Der Vergleich auf einen Blick
| Merkmal | Applikationsentwicklung | Plattformentwicklung |
|---|---|---|
| Kern | Software und Schnittstellen | Netze, Server, Dienste |
| Fachrichtungsbereiche (Art. 4) | g und h: Entwickeln sowie Ausliefern und Betreiben von Applikationen | d bis f: Ausliefern und Betreiben von ICT-Lösungen, Netze, Serversysteme |
| Typische Aufgaben | programmieren, testen, Datenbanken anbinden | installieren, konfigurieren, überwachen, absichern |
| Gemeinsam | Projekte, Support und Beratung, Daten und Datenschutz | Projekte, Support und Beratung, Daten und Datenschutz |
| IPA | 70 bis 90 Stunden, Auftrag aus der Fachrichtung | 70 bis 90 Stunden, Auftrag aus der Fachrichtung |
Welche Fachrichtung passt zu dir?
- Du baust gern etwas Neues, denkst in Logik und Abläufen und hast Geduld bei der Fehlersuche: eher Applikationsentwicklung.
- Du willst verstehen, wie Systeme zusammenhängen, und magst Hardware, Netze und Betrieb: eher Plattformentwicklung.
- Schnuppere in beiden Bereichen, wenn ein Betrieb beide anbietet. Nicht jeder Lehrbetrieb bildet in beiden Fachrichtungen aus.
- Frag den Lehrbetrieb, welche Projekte Lernende tatsächlich machen.
Mehr zur Lehrstellensuche und zur Schnupperlehre steht in Voraussetzungen und Schnupperlehre.
Systemtechnik und Betriebsinformatik: die alten Richtungen
Wer vor 2021 mit der Lehre begonnen hat, lernt nach der Verordnung von 2013. Sie kannte drei Fachrichtungen: Applikationsentwicklung, Betriebsinformatik und Systemtechnik. Nach der Übergangsbestimmung der neuen Verordnung (Art. 25) können Lernende nach altem Recht ihre Lehre längstens bis 31. Dezember 2026 abschliessen.
Inhaltlich gehen Teile der früheren Systemtechnik und Betriebsinformatik in der heutigen Plattformentwicklung auf. Wer heute eine Lehre beginnt, wählt zwischen den zwei neuen Fachrichtungen.
Was die Fachrichtung für das QV bedeutet
Das Qualifikationsverfahren ist für beide Fachrichtungen gleich aufgebaut: individuelle praktische Arbeit (IPA) mit 40 %, Allgemeinbildung mit 20 %, Erfahrungsnote «Informatikkompetenzen» mit 30 % und Erfahrungsnote «erweiterte Grundkompetenzen» mit 10 %. Unterschiedlich ist der Inhalt: Die IPA stammt aus deiner Fachrichtung, und die Module der Berufsfachschule richten sich ab der zweiten Lehrhälfte nach ihr. Details erklärt Qualifikationsverfahren Informatiker/in EFZ, die IPA IPA für Informatiker/innen EFZ.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung. Welche Verordnung für dich gilt, hängt vom Lehrbeginn ab. Frag im Zweifel beim kantonalen Berufsbildungsamt nach.
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Häufige Fragen
Welche Fachrichtungen gibt es bei Informatiker EFZ?
Seit Lehrbeginn 2021 Applikationsentwicklung und Plattformentwicklung.
Gibt es Systemtechnik noch?
Nur für Lernende nach der Verordnung von 2013. Sie können ihre Lehre längstens bis 31. Dezember 2026 abschliessen.
Wann wähle ich die Fachrichtung?
Vor Lehrbeginn. Sie wird im Lehrvertrag festgehalten.
Ist das EFZ je nach Fachrichtung verschieden?
Der Titel ist derselbe: Informatikerin oder Informatiker EFZ. Die Fachrichtung wird zusätzlich ausgewiesen.
Kann ich nach der Lehre in die andere Richtung wechseln?
Das EFZ verbietet keinen Wechsel. Dir fehlt aber die Vertiefung der anderen Richtung, die du in der Praxis oder mit Weiterbildung aufholst.
Quellen und weiterführende Links
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